Künstler Hannes Möller und die „Verlorene Bibliothek“

Ein schmales Rechteck im Hochkant-Format, der Name des Autors ist lesbar, darunter befindet sich ein Titel und der ein oder andere spärliche Farbklecks – ein Buchrücken verzückt den bibliophilen Zeitgenossen wohl eher weniger. Dann aber der Griff ins Buchregal, das Cover ist kunstvoll gestaltet, die gebundenen Seiten verströmen einen ganz eigenen Geruch und endlich kann sich der Spitzweg’sche Bücherwurm mit dem so sehnsüchtig erwarteten Werk auf die Couch zurückziehen.

Die Sinnhaftigkeit eines gemalten Buchrückens erscheint daher zunächst eher absurd und dennoch hat der Künstler Hannes Möller mit seinen Aquarell-Gouachen von Buchrücken und Buch-Vorderschnitten ein faszinierendes Projekt umgesetzt.

Buchrücken an Buchrücken an Buchschnitt an Buchrücken – hundert Aquarelle reihen sich im Dormitorium im Kloster Eberbach an- und untereinander. Die Bücher und somit Vorlagen für die Malereien von Hannes Möller sind allerdings keine willkürliche Auswahl, durch sein Werk kehren einhundert der Eberbacher Handschriften und Inkunabeln in Form einer imaginären Bibliothek an ihren Ursprungsort zurück. Dabei beeindrucken neben der detektivischen Fleißarbeit im Vorfeld, die Aquarell-Gouachen sowohl als Gesamtkunstwerk, wie auch als Einzelansicht.

Die Bibliothek des Klosters Eberbach wurde durch plündernde Truppen im Dreißigjährigen Krieg zerstört und 1803 endgültig aufgelöst. Der Oxforder Professor Nigel F. Palmer recherchierte in den Neunzigerjahren die heutigen Aufenthaltsorte vieler Bücher und veröffentlichte diese im Buch „Zisterzienser und ihre Bücher“. Hannes Möller wiederum verfolgte diese Spuren drei Jahre in Bibliotheken in England und Deutschland und setzte die vor Ort gesammelten Eindrücke von Buchrücken und Buchschnitten in seinem Atelier künstlerisch in Malerei um.

Ich durfte Hannes in seinem Atelier fotografisch begleiten und ihn dann in der Ausstellung ablichten.

Die Ausstellung „Die verlorene Bibliothek“ ist noch bis zum 27.Oktober im Dormitorium im Kloster Eberbach zu sehen. Im Verlag HenrichEditionen ist der Bildband „Die verlorene Bibliothek von Kloster Eberbach“ erschienen.

Zum FAZ Artikel: http://www.bibliotheken-projekt.de/Hannes-Moeller-FAZ-Feuilleton

Beim Klick auf das erste Bild öffnet sich die Galerie.

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4 responses to “Künstler Hannes Möller und die „Verlorene Bibliothek“”

  1. Herr Ärmel says :

    Deine Fotografien gefallen mir sehr gut – vielen Dank für die Präsentation
    Schöne Grüsse vom Schwarzen Berg

  2. Anonymous says :

    Original oder Plagiat das ist hier die Frage. Siehe Buchrücken von http://www.sabine.steimer.de.

    • Katja Lenz says :

      Nun, ich denke, dass es einige Künstler gibt, die alte Buchrücken malen/zeichnen. Aber bei Hannes Möller geht es vor allem um das übergeordnete Thema, nämlich „Die verlorene Bibliothek“. Die Werke stehen nicht für sich alleine und entwicklen ihren Reiz durch Gebrauchsspuren, sondern werden durch das Zusammentragen der etwa 700 Bände umfassende Bibliothek des Zisterzienserklosters Eberbach getragen.

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  1. Die verlorene Bibliothek | Hackentricks Universum - Oktober 15, 2013

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